Biblische Männer für heute
Zum Beispiel:
Bileam
Der verborgenen Weisheit des Bruders Esel trauen
Im Buch Numeri, im 22. Kapitel, wird von einem nicht zum
Gottesvolk gehörenden Seher namens Bileam erzählt.
Der König von Moab bittet ihn zu sich, um das Volk
Israel zu verfluchen, damit er den Krieg gegen es gewinnt.
Von Hans Neuhold
GOTT SPRICHT
In der Nacht kommt JHWH, der Gott Israels, zu Bileam, um ihn von seinem
Vorhaben abzuhalten und Bileam geht nicht mit den Boten des Königs
mit. Ein zweites Mal kommen die Boten von Moab und bringen Unmengen von
Geschenken, um ihn zu veranlassen, mitzugehen. Abermals erscheint in der
Nacht JHWH und teilt Bileam mit, dass er nur das tun darf, was er ihm noch
sagen wird.
GOTT SENDET BOTEN
Schließlich macht sich Bileam am nächsten Morgen mit seiner
Eselin auf den Weg. Unterwegs tritt ihnen der Engel Gottes mit gezücktem
Schwert in den Weg. Der Esel sieht den Engel und weicht aus. Bileam, der
den Engel nicht sieht, schlägt den Esel und zwingt ihn auf den Weg
zurück. Darauf stellt sich ihnen der Engel an einer Mauer in den Weg.
Als der Esel den Engel mit dem gezückten Schwert sieht, drückt
er sich an der Mauer entlang, so dass der „blinde Seher“ am Bein verletzt
wird. Wieder gibt es Schläge. Beim dritten Mal aber gibt es kein Entrinnen
mehr: Der Engel steht an einer so engen Stelle, dass es nicht vorbei geht;
alles Schlagen hilft nicht. Schließlich geht der Esel in die Knie.
ENDE DES IRRWEGS
Da wird dem Esel der Mund geöffnet und er verweist Bileam auf
den Engel mit dem gezückten Schwert. Da sieht auch Bileam den Engel.
Dieser sagt ihm: “Der Weg, den du da gehst, ist zu abschüssig. Du
gehst auf den Abgrund zu.“ Bileam darf zum Moabiterkönig, aber zum
Entsetzen des Königs segnet er im Auftrage JHWHs das Volk Israel statt
es zu verfluchen.
WIDERSTÄNDE WAHRNEHMEN
Bis zum Zusammenbruch schlägt sich Bileam – wie viele Männer
– durchs Leben und ist nicht fähig, den Engel zu sehen, der sich ihm
in den Weg stellt. Wie der Esel von Bileam wird dann der Körper „geschlagen“
und gezüchtigt. Seine ihm eigene Weisheit und Fähigkeit, den
Engel, der vor dem Abgrund bewahren will, zu sehen, wird als Dummheit und
Faulheit eines „störrischen Esels“abgetan. In der Folge reißt
Mann sich zusammen, statt ein Gespür für sich selber zu entwickeln
und sanft mitsich selber umzugehen. Der eigene Körper wird as störrischer
Esel gesehen, der nicht so tut, wie es dem eigenen Willen entspricht. Manchmal
muss es dann zu Zusammenbruch kommen, bis jemand bereit ist, den Engel
zu sehen.
GESEGNETE LEIBLICHKEIT
Der Esel, die Leiblichkeit, eröffnet die Bedeutung der Situation.
Der Zusammenbruch (sei es durch Krankheit oder Notsituationen psychischer
Art) kann die Augen öffnen, dass ein Engel vor einem „abschüssigen
Weg“ steht, kann so zum Umkehrpunkt werden und zu völlig neuem (segnendem
und gesegnetem) Leben führen. Die verborgene Weisheit und Sichtweise
des Bruders Esel ermöglicht ein Mehr an gesegnetem Leben. Die Theologin
Maria Kassel nennt dies in einem gleichnamigen Buch: “Sehen lernen mit
dem Auge im Bauch“.
Quelle: Ypsilon –Magazin für Männer – Katholische Männerbewegung
Der Autor ist Religionspädagoge und Psychotherapeut in der Steiermark
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