Ich bin gekommen, damit sie das Leben in Fülle haben.
Joh 10,10
KMB



 


Biblische Männer für heute

Zum Beispiel:                         Bileam

Der verborgenen Weisheit des Bruders Esel trauen



Im Buch Numeri, im 22. Kapitel, wird von einem nicht zum Gottesvolk gehörenden Seher namens Bileam erzählt.
Der König von Moab bittet ihn zu sich, um das Volk Israel zu verfluchen, damit er den Krieg gegen es gewinnt.
 

Von Hans Neuhold

GOTT SPRICHT
In der Nacht kommt JHWH, der Gott Israels, zu Bileam, um ihn von seinem Vorhaben abzuhalten und Bileam geht nicht mit den Boten des Königs mit. Ein zweites Mal kommen die Boten von Moab und bringen Unmengen von Geschenken, um ihn zu veranlassen, mitzugehen. Abermals erscheint in der Nacht JHWH und teilt Bileam mit, dass er nur das tun darf, was er ihm noch sagen wird.

GOTT SENDET BOTEN
Schließlich macht sich Bileam am nächsten Morgen mit seiner Eselin auf den Weg. Unterwegs tritt ihnen der Engel Gottes mit gezücktem Schwert in den Weg. Der Esel sieht den Engel und weicht aus. Bileam, der den Engel nicht sieht, schlägt den Esel und zwingt ihn auf den Weg zurück. Darauf stellt sich ihnen der Engel an einer Mauer in den Weg. Als der Esel den Engel mit dem gezückten Schwert sieht, drückt er sich an der Mauer entlang, so dass der „blinde Seher“ am Bein verletzt wird. Wieder gibt es Schläge. Beim dritten Mal aber gibt es kein Entrinnen mehr: Der Engel steht an einer so engen Stelle, dass es nicht vorbei geht; alles Schlagen hilft nicht. Schließlich geht der Esel in die Knie.

ENDE DES IRRWEGS
Da wird dem Esel der Mund geöffnet und er verweist Bileam auf den Engel mit dem gezückten Schwert. Da sieht auch Bileam den Engel. Dieser sagt ihm: “Der Weg, den du da gehst, ist zu abschüssig. Du gehst auf den Abgrund zu.“ Bileam darf zum Moabiterkönig, aber zum Entsetzen des Königs segnet er im Auftrage JHWHs das Volk Israel statt es zu verfluchen.

WIDERSTÄNDE WAHRNEHMEN
Bis zum Zusammenbruch schlägt sich Bileam – wie viele Männer – durchs Leben und ist nicht fähig, den Engel zu sehen, der sich ihm in den Weg stellt. Wie der Esel von Bileam wird dann der Körper „geschlagen“ und gezüchtigt. Seine ihm eigene Weisheit und Fähigkeit, den Engel, der vor dem Abgrund bewahren will, zu sehen, wird als Dummheit und Faulheit eines „störrischen Esels“abgetan. In der Folge reißt Mann sich zusammen, statt ein Gespür für sich selber zu entwickeln und sanft mitsich selber umzugehen. Der eigene Körper wird as störrischer Esel gesehen, der nicht so tut, wie es dem eigenen Willen entspricht. Manchmal muss es dann zu Zusammenbruch kommen, bis jemand bereit ist, den Engel zu sehen.

GESEGNETE LEIBLICHKEIT
Der Esel, die Leiblichkeit, eröffnet die Bedeutung der Situation. Der Zusammenbruch (sei es durch Krankheit oder Notsituationen psychischer Art) kann die Augen öffnen, dass ein Engel vor einem „abschüssigen Weg“ steht, kann so zum Umkehrpunkt werden und zu völlig neuem (segnendem und gesegnetem) Leben führen. Die verborgene Weisheit und Sichtweise des Bruders Esel ermöglicht ein Mehr an gesegnetem Leben. Die Theologin Maria Kassel nennt dies in einem gleichnamigen Buch: “Sehen lernen mit dem Auge im Bauch“.
 

Quelle: Ypsilon –Magazin für Männer – Katholische Männerbewegung
            Der Autor ist  Religionspädagoge und Psychotherapeut in der Steiermark